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Beim aktuellen EHEC/HUS-Ausbruch sind dem RKI gemäß Infektionsschutzgesetz bislang 3.154 Fälle mit einer Infektion mit EHEC übermittelt worden (Datenstand 30.6.2011, 10.00 Uhr - beim Datenstand 29.6.2011 waren es 3.110 Fälle gewesen). Davon sind 17 EHEC-Patienten gestorben (unverändert zum Datenstand 29.6.). Außerdem wurden dem RKI bislang 845 Fälle mit HUS übermittelt (841 beim Datenstand 29.6.), davon sind 31 HUS-Patienten gestorben (30 beim Datenstand 29.6.). Damit sind dem RKI insgesamt 3.999 EHEC- oder HUS-Fälle übermittelt worden, darunter 48 verstorbene EHEC- oder HUS-Patienten (3.951 Erkrankungsfälle, darunter 47 Todesfälle, beim Datenstand 29.6.2011).
Seit der Kalenderwoche 23 (6. bis 12. Juni 2011) werden Erkrankungen an HUS/EHEC weiterhin auf deutlich niedrigerem Niveau als zuvor an das RKI übermittelt. Daten aus der Surveillance blutiger Durchfälle in den Notaufnahmen freiwillig meldender Krankenhäuser deuten ebenfalls auf einen Rückgang der Anzahl und des Anteils an Fällen mit blutigem Durchfall ab dem 30. Mai hin (weitere Informationen dazu siehe Link unten).
Ein Link zur Auflistung der Erkrankungszahlen und Todesfälle nach
Bundesländern ist am Textende zu finden. Die Abbildung
"HUS-Epidemiekurve 2011" (Link siehe unten) zeigt die vorliegende
Anzahl der an das RKI übermittelten HUS-Fälle nach dem Datum des
Erkrankungsbeginns (Beginn des Durchfalls). Farblich dargestellt ist
der Zeitpunkt (Woche des Eingangs der Meldung am RKI), an dem
die Erkrankungsfälle an das RKI übermittelt wurden. Das letzte
bekannte Erkrankungsdatum bei allen EHEC- oder HUS-Patienten
(auch mit bisher nicht erhobenem bzw. nicht ermittelbarem
O-Antigen-Status) war der 26. Juni 2011, bei EHEC- oder HUS-Fällen
mit EHEC O104 Nachweis der 18. Juni 2011.
Ausländische Patienten mit HUS oder EHEC wurden bislang aus mehreren Mitgliedsstaaten der Europäischen Union sowie aus der Schweiz, aus Kanada und den USA gemeldet. Bei diesen Patienten ist meist ein Bezug zu Deutschland bekannt. Eine Übersicht ist auf den Internetseiten des Europäischen Zentrums für Krankheitskontrolle und Prävention (ECDC) zu finden, Link siehe RKI-Start- bzw. EHEC-Seite.
Bei den epidemiologischen Analysen wurden alle Erkrankungsfälle, die ab dem 1. Mai 2011 erkrankt waren aber in der Regel erst später gemeldet wurden mit einbezogen. Hierbei muss zwischen Datum des Erkrankungsbeginns, dem Datum der Diagnose (und gegebenenfalls der Krankenhausaufnahme) und dem Datum der Meldung an das Gesundheitsamt unterschieden werden. Ein Fall muss vom diagnostizierenden Arzt, ein Erregernachweis vom Labor innerhalb von 24 Stunden an das Gesundheitsamt gemeldet werden. Das Gesundheitsamt überprüft die Information und gibt sie in eine elektronische Datenbank ein. Spätestens am dritten Arbeitstag der folgenden Woche wird die Information an die zuständige Landesbehörde elektronisch übermittelt und von dort spätestens innerhalb einer weiteren Woche elektronisch an das RKI (gemäß Infektionsschutzgesetz § 11). Nach Bekanntwerden des EHEC/HUS-Ausbruchs bat das RKI die zuständigen Behörden ab der Woche vom 23. Mai 2011 um tägliche Übermittlung. Momentan liegt die Zeitdauer zwischen Eingang der Meldung im Gesundheitsamt bis zum Eingang im RKI meist zwischen ein bis vier Tagen.
Der Meldeweg ist auch ausführlich erläutert im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch, (siehe www.rki.de >Infektionsschutz > Infektionsepidemiologisches Jahrbuch). Bei besonderen Ereignissen kann man davon ausgehen, dass die erste Kontaktaufnahme in der Regel auch telefonisch erfolgt.
Das RKI hat erstmalig am 19.5.2011 von einer erhöhten Anzahl von HUS Erkrankungsfällen in Hamburg erfahren. Seit dem ersten Bekanntwerden untersucht das RKI in Zusammenarbeit mit Gesundheits- und Lebensmittelbehörden des Bundes und der Länder den Ausbruch an hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) in Norddeutschland. Ein Link zu Erläuterungen der epidemiologische Arbeitsweise des RKI und weiterer EHEC/HUS-Studien steht am Textende. Am 23. Juni ist ein Ausbruchsbericht von RKI-Wissenschaftlern in dem renommierten New England Journal of Medicine erschienen (Frank et al, Link siehe unten).
Die Ursache des Ausbruchs konnte durch die epidemiologischen Studien, die aufeinander aufbauten, zunehmend eingegrenzt werden, Auf Grund der Ergebnisse der epidemiologischen Studien des RKI und den Ermittlungen von BfR/BVL wird seit dem 10. Juni 2011 vom Verzehr von rohen Sprossen abgeraten. Weitere Stellungnahmen/Pressemitteilungen des Bundesinstituts für Risikobewertung zu Sprossen wurden am 11. und 12. Juni 2011 publiziert.
Bei dem aktuellen Geschehen handelt es sich um einen der weltweit größten bislang beschriebenen Ausbrüche von EHEC bzw. HUS und den bislang größten Ausbruch in Deutschland, wobei insbesondere die Alters- und Geschlechterverteilung ungewöhnlich ist. Nach wie vor sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen. Zu anderen Zeiten entwickeln vorwiegend Kinder dieses schwere Krankheitsbild: Im Jahr 2010 zum Beispiel wurden dem Robert Koch-Institut 65 HUS-Fälle übermittelt, 6 Betroffene waren älter als 18 Jahre.
Das Gesundheitsamt ist bei allen Fällen einer EHEC-Infektion bzw. eines Ausscheiders und deren Kontaktpersonen ein wichtiger Ansprechpartner (siehe auch Infektionsschutzgesetz § 31, 34 und 42). Personen, die eine Infektion mit EHEC O104 erworben haben, können den Erreger über eine gewisse Zeit auch nach Abklingen der Symptome mit dem Stuhl ausscheiden. Aus früheren Erkenntnissen über EHEC-Infektionen ist bekannt, dass die Dauer der Ausscheidung von verschiedenen Faktoren wie z.B. Alter oder Schwere der Erkrankung, aber auch vom Erregerstamm abhängig ist. Mit dem Alter der Patienten hängt sie derart zusammen, dass jüngere Patienten, z.B. Kinder, eher länger ausscheiden. Sie hängt insoweit mit der Schwere der Erkrankung zusammen, dass Patienten mit schwerer Erkrankung z.B. HUS eher kürzer ausscheiden. Bisher liegen die meisten Erkenntnisse zur Serogruppe O157 vor. Angaben zur durchschnittlichen Dauer der Keimausscheidung variieren deutlich von einigen Tagen bis zu mehrere Wochen. Hier kann bei Kindern mit einer Ausscheidungsdauer von über einem Monat bei klinisch unauffälligem Bild gerechnet werden. Inwieweit diese Ergebnisse auch für O104:H4 zutreffen, muss noch geprüft werden. Daher hat das RKI eine entsprechende Studie begonnen, in der untersucht wird, wie lange der Erreger bei den Trägern nachgewiesen werden kann. Eine über das Krankheitsstadium hinausgehende Ausscheidung von Erregern ist also zumindest bei einem Teil der Infizierten möglich und anzunehmen. Einer guten Sanitär- und Küchenhygiene kommt besondere Bedeutung zu (www.bfr.bund.de bzw. www.bzga.de).
Untersuchungen im Nationalen Referenzzentrum für Salmonellen und andere bakterielle Enteritiserreger am Robert Koch-Institut sowie an dem mit dem Robert Koch-Institut zusammenarbeitenden Konsiliarlaboratorium für Hämolytisch-Urämisches Syndrom (HUS) am Institut für Hygiene der Universität Münster (Prof. H. Karch) haben gezeigt, dass der gegenwärtig zirkulierende Stamm Eigenschaften zweier verschiedener Typen von pathogenen Escherichia coli trägt. Zudem liegen besondere Resistenzeigenschaften vor. Eine solche Neukombination krankmachender Eigenschaften sowie die Aufnahme von Resistenzgenen ist bei Escherichia coli bekannt.
Das Nationale Referenzlabor in Wernigerode hat bei über 400 Patientenproben den Ausbruchsstamm identifiziert. Der Stamm zeigt eine erhöhte Resistenz gegen Cephalosporine der 3. Generation (ESBL), sowie eine breite Mehrfachresistenz u.a. gegen Trimethoprim/Sulfonamid und Tetrazykline. Dies ist allerdings klinisch nicht bedeutsam, da EHEC-Infektionen in der Regel nicht mit Antibiotika behandelt werden. Eine antibakterielle Therapie kann die Bakterienausscheidung verlängern und zur Stimulierung der Toxinbildung führen.
Das RKI hat Informationen zum Erregerstamm und Hinweise und Hilfestellungen zur Diagnostik des Ausbruchstammes auf seinen Internetseiten veröffentlicht, außerdem eine elektronenmikroskopische Aufnahme des Erregers (Links siehe unten). Das Bundesinstitut für Risikobewertung hat sich in einer Stellungnahme vom 7.6.2011 zum Erreger geäußert. Am 23. Juni 2011 ist eine gemeinsame Veröffentlichung des HUS-Konsiliarlabors in Münster und des Nationalen Referenzzentrums am RKI in der renommierten Fachzeitschrift Lancet Infectious Diseases erschienen (Bielaszewska et al., Link siehe unten), dazu gibt es eine Pressemitteilung der Universität Münster.
Das Hessische Sozialministerium und das Hessische Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz haben am 17. Juni 2011 in einer Pressemitteilung über den Fund des EHEC-Erregers O104:H4 in einem Fließgewässer informiert und verweisen auf Informationen des Umweltbundesamtes zu Wasser und EHEC. Eine Stellungnahme zu dem Fließgewässerfund mit Hygienehinweisen für Verbraucher hat das Bundesinstitut für Risikobewertung am 18.6.2011 veröffentlicht.
Das HUS ist eine schwere, unter Umständen tödliche Komplikation, die bei bakteriellen Darminfektionen mit sogenannten enterohämorrhagischen Escherichia coli (EHEC) auftreten kann. Pro Jahr werden dem RKI etwa 1000 EHEC-Fälle übermittelt. Das Vollbild des HUS ist charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an Blutplättchen.